Ein Glas. Ein Wein. Und die leise Frage, ob man das jetzt eigentlich richtig macht.
Wir erleben es bei fast jeder Verkostung in der Mühle: Jemand nimmt das Glas, schwenkt vorsichtig, riecht – und schaut dann ein bisschen unsicher in die Runde. Als gäbe es eine Prüfung, die man bestehen muss. Gibt es nicht. Aber es gibt ein paar Handgriffe, die aus einem Schluck Wein ein richtiges Erlebnis machen. Genau die zeigen wir euch hier.

Vorweg: Falsch machen könnt ihr nichts
Verkosten heißt nicht, möglichst viele Aromen benennen zu können. Es heißt, dem Wein einen Moment mehr Aufmerksamkeit zu schenken als sonst. Wer „Waldbeere, Veilchen und ein Hauch Zedernholz“ herausschmeckt, hat nicht mehr davon als jemand, der sagt: „Das erinnert mich an den Sommer bei meiner Oma.“ Beides ist völlig richtig.
Was die drei Schritte bringen, ist etwas anderes: Sie verlangsamen. Und dabei merkt man plötzlich Dinge, die man vorher überschmeckt hat.
Sehen: Was die Farbe schon verrät
Haltet das Glas leicht schräg vor eine helle Fläche – eine Serviette, eine Wand, das Tageslicht am Fenster. Interessant ist dabei weniger die Mitte als der äußere Rand, dort, wo der Wein dünn ausläuft.
Grob gilt: Weißweine werden mit den Jahren dunkler und goldener, Rotweine dagegen heller und am Rand oft ziegelrot bis bräunlich. Ein tiefes, dichtes Rot spricht eher für einen jungen Wein oder eine kräftige Rebsorte. Es ist kein Qualitätsurteil, aber ein erster Hinweis darauf, was gleich kommt.

Schwenken & Riechen: Warum das überhaupt wichtig ist
Das Schwenken ist keine Angeberei, sondern hat einen nüchternen Grund: Der Wein bekommt Kontakt zur Luft, und die flüchtigen Aromastoffe lösen sich. Stellt das Glas dabei ruhig auf den Tisch und dreht es in kleinen Kreisen – das geht sicherer als frei in der Luft. Und füllt nicht zu hoch ein, höchstens bis zur breitesten Stelle des Glases, sonst fehlt dem Aroma der Platz.
Riecht dann am besten zweimal: einmal, bevor ihr schwenkt, und einmal danach. Der Unterschied ist oft verblüffend deutlich – und er ist der Moment, in dem die meisten zum ersten Mal verstehen, wozu das Ganze gut ist.
Und dann die einzige Frage, die zählt: Woran erinnert euch das? Frisches Obst oder eher eingekochtes? Etwas Blütiges, etwas Würziges, etwas Röstiges? Ihr braucht dafür keine Fachbegriffe.

Schmecken: Säure, Süße, Tannin und Nachhall
Nehmt einen etwas größeren Schluck als sonst und lasst ihn kurz im Mund kreisen, damit er überall hinkommt. Vier Dinge lassen sich dabei ganz gut auseinanderhalten:
Die Säure – sie sorgt für Frische und dafür, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Zu wenig davon, und ein Wein kann schnell breit wirken.
Die Süße – auch trockene Weine können durch reife Frucht süßlich wirken. Deshalb schmecken viele Weine süßer, als sie tatsächlich sind.
Das Tannin – die Gerbstoffe aus Schalen, Kernen und Holzfass. Man schmeckt sie nicht wirklich, man fühlt sie: als leichtes Pelzgefühl auf Zunge und Zahnfleisch. Bei jungen Rotweinen ist das oft deutlich spürbar, mit den Jahren wird es weicher.
Der Nachhall – und das ist unser persönlicher Lieblingsteil. Zählt einfach mit, wie lange ihr den Wein noch schmeckt, nachdem ihr geschluckt habt. Ein paar Sekunden? Oder ist er sofort weg? Kaum etwas verrät so viel über einen Wein wie die Antwort darauf.
Probiert es beim nächsten Glas einfach aus
Ihr braucht dafür keinen besonderen Anlass und auch keinen besonderen Wein. Nehmt euch beim nächsten Mal einfach die zusätzlichen zehn Sekunden, bevor ihr trinkt: einmal hinschauen, einmal schwenken, zweimal riechen. Mehr ist es nicht.
Und dann achtet auf den Nachhall. Wir sind ziemlich sicher, dass ihr danach nie wieder einfach so trinkt.
Wenn ihr das mit uns zusammen ausprobieren möchtet – in unserem Veranstaltungskalender stehen die nächsten Weinproben und Tastings in Hilden.

Das war Teil 1 unserer kleinen Reihe rund ums Verkosten. Nächste Woche geht es um die Dinge, die drumherum den größten Unterschied machen: die richtige Temperatur, das passende Glas – und drei Weinmythen, die sich hartnäckig halten.