Grüne Trauben mit Regentropfen am Rebstock, dahinter die Rebzeilen

Weinlese 2026 — warum die Trauben dieses Jahr so früh dran sind

Reife, Regen & Rebzeilen – was gerade in den Weinbergen passiert

Zweite Augustwoche. Die ersten Trauben im Eimer. Eine ganze Woche früher als sonst.

Während wir hier in der Mühle in Hilden noch die lauen Sommerabende genießen, herrscht in den Weinbergen längst Ausnahmezustand: Die Weinlese für den Jahrgang 2026 hat begonnen – und zwar so früh wie selten. Wir nehmen euch mit zwischen die Rebzeilen und erzählen euch, was gerade passiert und warum ausgerechnet die nächsten Wochen darüber entscheiden, was ihr später im Glas habt.

Ein Sommer, der aufs Tempo gedrückt hat

Den Anfang machten wie so oft die Pfalz und Baden. Am 12. August wurden in Neustadt-Geinsheim die ersten Solaris-Trauben für den Federweißen gelesen – rund eine Woche früher als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Der Grund: ein sonniger, richtig warmer Sommer. Die Reben haben die Reife im Eiltempo durchlaufen, und die ersten Trauben waren außergewöhnlich süß. Als Nächstes kommen die Sektgrundweine dran – für Sekt werden die Trauben bewusst früher gelesen, solange noch ordentlich Säure in der Beere steckt. Danach geht es nahtlos mit den frühreifen Sorten weiter.

Und unsere geliebte Mosel? Die lässt sich traditionell etwas mehr Zeit. Gerade der Riesling gehört zu den später reifenden Sorten. Die langen Wochen am Hang sind ein wichtiger Teil dessen, was wir an den Moselweinen so lieben – und geben den Trauben Zeit, ihre Aromen voll zu entwickeln.

Reifende Trauben an einem alten Rebstock, die Sonne fällt durch die Blätter

Der wichtigste Moment im Weinjahr

Wann gelesen wird, ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die ein Winzer im ganzen Jahr trifft. Und die fällt garantiert nicht allein nach dem Kalender. Drei Dinge werden dabei besonders genau beobachtet:

Das Mostgewicht – gemessen in Grad Oechsle, oft direkt im Weinberg mit dem Refraktometer. Es verrät, wie viel Zucker in der Beere steckt und gibt damit einen Hinweis darauf, welches Alkoholpotenzial der spätere Wein haben kann.

Die Säure – das Rückgrat des Weins. Fällt sie zu weit ab, kann ein Wein schnell breit und müde wirken. Gerade in warmen Jahren liegt deshalb eine der großen Herausforderungen darin, Reife und Frische im richtigen Moment zusammenzubringen.

Die Reife der Beere selbst – der Teil, den keine Zahl vollständig abbilden kann. Sind die Kerne bereits braun statt grün? Löst sich die Beerenhaut? Wie schmeckt die Traube? Und zeigt sie bereits die Aromen, die man später auch im Wein wiederfinden möchte?

Deshalb sieht man Winzer in diesen Wochen ständig kauend durch die Zeilen laufen. Wir haben das bei unseren Besuchen an der Mosel oft genug erlebt – und ehrlich gesagt jedes Mal fleißig mitprobiert.

Kleine Beeren, große Konzentration?

Die Trockenheit dieses Sommers hat Spuren hinterlassen. Vor allem jüngere Anlagen mit noch flacheren Wurzeln hatten zu kämpfen. Je nach Standort musste teilweise bewässert oder der Ertrag durch Ausdünnung reduziert werden.

Die Beeren sind vielerorts kleiner als in feuchteren Jahren. Das bedeutet zunächst einmal weniger Ertrag. Gleichzeitig kann ein höheres Verhältnis von Schale zu Saft für mehr Konzentration und Dichte sorgen.

Ob daraus am Ende tatsächlich ein Vorteil im Glas wird, entscheidet sich allerdings erst im Keller. Denn neben Zucker und Extrakt zählen auch Säure, Aromatik und die physiologische Reife der Trauben. Für eine endgültige Einschätzung des Jahrgangs 2026 ist es deshalb noch viel zu früh.

Mit etwas kühlerem Wetter und den richtigen Niederschlägen in den kommenden Wochen wären die Voraussetzungen jedenfalls vielversprechend. Wir bleiben gespannt – und dran.

Grüne Trauben in der Rebzeile über rotem Schieferboden

Der erste Bote: Federweißer

Bevor vom Jahrgang 2026 auch nur eine Flasche Wein im Regal steht, kommt der Federweiße – der erste Gruß aus dem neuen Weinjahr.

Die frühen Sorten kamen mit ungewöhnlich hohen Zuckerwerten in den Keller und bringen damit beste Voraussetzungen für einen aromatischen Start in die Federweißer-Saison mit. Und weil Federweißer nur wenige Wochen im Jahr zu haben ist, lohnt es sich, in den kommenden Wochen die Augen offen zu halten.

Kommt vorbei und probiert euch durch

Bis die ersten 2026er Weine tatsächlich trinkfertig sind, vergeht noch einige Zeit. Ein perfekter Moment also, sich durch die älteren Jahrgänge zu probieren, die jetzt bereits bei uns im Regal und auf der Weinkarte stehen.

Denn was ein warmes und ein kühleres Jahr im Wein ausmachen kann, lässt sich oft erstaunlich deutlich schmecken.

Kommt bei uns in der Vino Vista vorbei – wir zeigen euch gerne, was gerade in den Weinbergen passiert und was davon später im Glas landet.

Wir freuen uns auf euch!

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